Von Missionaren und anderen Jüngern
Mo, Feb 9, 2009
Das Wochenende ist wieder einmal rum. Und wieder gab es massenhafte Bestellungen von Long Island Ice Tea, Pina Colada, Cuba Libre, Mojito, Whisky Sour und anderen netten Getränken. Ich hatte mir vorgenommen, an jedem Wochenende mindestens einen Gast, davon zu überzeugen, einmal etwas anderes zu bestellen. Das Vertrauen von vielen Cocktailstammgästen habe ich bereits und gewinne es von immer mehr Gästen.
Schockiert war ich von der Aussage eines Gastes, das ein Kollege an einem Tag an dem ich nicht anwesend war, den Spruch gebracht hat: “Ham wa nich auffe Karte!”. Es handelte sich um einen Flying Kangaroo, einen Drink, den ich mittlerweile mit Licor 43 zubereite, ob der zu erwartendenden Knappheit an “altem” Galliano.
Am Freitag schließlich war soviel Druck auf der Theke, das ich mir kaum erhofft hatte, doch noch einen Gast umzustimmen, weil kaum die Zeit da war, so prasselten die Bestellungen auf mich ein. Doch ich habe es echt geschafft, zumindest diesen ersten Schritt. Ein weiblicher Gast, der bei mir immer “Caipirinha, aber mit viel Liebe” (sie meint nicht mehr Alkohol!), war des Caipirinha leicht überdrüßig, wollte aber einen Cocktail. Dieser erste Schritt, wenn sich mir ein Gast anvertraut, nutze ich zunächst über das sonstige Trinkverhalten zu erfahren und so stelle ch ein paar Fragen. “Wieviele verschiedene Cocktails hast Du getrunken? Was trinkst du außerhalb von Cocktails, wenn du mal weggehst?” Das sind so die Standardfragen, ich überlege mir dann, welcher Cocktail dann zu der Person passt. In diesemFall, war es schon eher ein Longdrink. Maracujasaft, Cachaca, Licor 43 und ein Spritzer frische Limette. Denn bevor ich eben diese Leute an Klassiker heranführe, bei den das Trinkverhalten gemäßgt sein sollte, schaue ich erst einmal ob ich die Person überzeugen kann, öfter mal einfach was neues zu probieren. Meistens scheitere ich und dieses Personen bestellen dann zukünftig immer diesen neuen Drink, statt den Horizont zu erweitern, aber das ist ihr gutes Recht. Diese Dame hat also den nächsten Schritt gewagt und es hat ihr geschmeckt. Der nächste Schritt bei dieser Dame folgt dann beim nächsten Besuch.
Zwei Schritte weiter sind zwei junge Herren, die vom Whisky Sour im Amercian Barglass mit viel Eis dazu übergegangen sind, selbst mit verschiedenen Bourbons zu experimentieren, dann einen klassischen Whisky Sour im Tumbler oder Spitz zu bestellen und mittlerweile probieren sie immer gerne einfach mal neue Sachen (Klassiker) aus, beide sind 24 Jahre alt und kommen so langsam auf den Geschmack des Genusses.
Aber es gibt auch die andere Sorte Gast, die eine exakte Vorstellung ihres Cocktails haben. So auch an diesem Wochenende passiert: “White Russian shaken not stirred mit wenig Eis” war die Bestellung, hatte ich bis dato nicht gehört, aber der Gast ist König, gemacht getan und der junge Mann kam noch sieben Mal und bestellte meist direkt mehrere davon. Jeder wie ihm beliebt!
Ich versuche also ständig den ein oder anderen Gast einer Rock-Diskothek zu missionieren, mal gelingt es, mal nicht, aber die Erfolge werden mir und den Bartender-Kollegen für immer treu bleiben.
Tags: cuba libre, diskothek, flying kangaroo, jünger, missionar, rock, turock, whisky sour, white russian





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