Die DBU und ich
Mo, Mai 25, 2009
Heute mal ein seltener Aufreger von mir und Uwe Bley kann gar nicht ahnen, was er in mir heute mit einer Einladung innerhalb der Community Facebook ausgelöst hat. Lieber Uwe, den folgenden Text bitte auf keinen Fall auf Dich beziehen, du hast nur unbewußt und ungewußt ein Ventil geöffnet.
Zum Hintergrund: Ich bin heute auf Facebook eingeladen worden, Fan der DBU zu werden.
So weit so gut, nun, ich gebe zu, dass ich zur DBU ein mehr als gespaltenes Verhältnis habe. Doch ein bisschen zum Hintergrund des Hintergrunds: Ich stehe jetzt seit 17 Jahren hinter diversen Theken, es ist mir Hobby, Job und Leidenschaft. Ich bin eine ungelernte Kraft, das heißt, ich habe kein Zertifikat als Restaurant- oder Hotelfachmann. Ich habe keine Scheine, die bestätigen, dass ich diesen Job beherrsche. Ich lernte meinen Job “on the job” in den USA. Ich habe niemals danach daran gedacht, das Gelernte in Deutschland zu vertiefen, denn da war ja mein Studium (Elektrotechnik Fachrichtung Technische Informatik, für die Neugierigen), mit dem ich irgendwann mal Geld verdienen wollte. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wie es weiterging, ist erstmal nicht wichtig. Im Jahr 2000 formulierte ich dann zum ersten Mal die Idee von drinkmix und den Rest seht ihr und werdet ihr hier sehen.
In all der Zeit habe ich mehrfach versucht, Mitglied der DBU zu werden. Ich wollte netzwerken mit Profis, mich unterhalten mit Profis, klar wollte ich auch Nutzen daraus ziehen. Doch, immer wieder hieß es:”Nein, die DBU setzt sich dafür ein, dass der Beruf des Bartenders anerkannt wird. Und deshalb sollen keine ungelernten Kräfte Mitglied werden.” Es ist kein Zitat, aber so ist es immer wieder rübergekommen. Der “kollegiale” Umgang mt mir ging dann sogar so weit, dass man mit langjährigen Auftraggebern sprach und begründete, dass meine Arbeit ja jeglicher Grundlage der Profession entbehre. Die Kunden ließen sich überzeugen und auch wenn sie ein Jahr später zurückkehrten, war das Vertrauensverhältnis oft nachhaltig gestört. Warum die Kunden zurückkehrten? Die dort beschäftigten DBU-Bartender seien unprofessionell gewesen, wären borniert und hochnäsig und hätten die Gäste nicht unterhalten, so wurde mir gesagt. Immer wieder habe ich versucht, Kontakt zu knüpfen, aber immer wieder wurde ich abgekanzelt. Vor acht Jahren schließlich, als ich mit drinkmix startete, versuchte ich es zum letzten Mal.
Ich stellte per Brief drinkmix der Sektion NRW vor, bat um Hilfe, diese Idee umzusetzen. Ich bekam keinerlei Antwort. Und ich schwor mir, nie wieder zu versuchen, dort nur ansatzweise Fuß zu fassen.
Drinkmix ging dann endlich im letzten Jahr online, ich entdeckte, dass es noch ähnlich denkende Menschen wie mich gibt, selbst Mitglieder der DBU und doch stieß ich wieder auf den typischen DBUler, wie ich sie immer wieder kennengelernt habe: jeder, der den Job nicht über IHK gelernt hat, wurde nicht mal mehr beachtet. Angebote, mal miteinander zu reden, verpufften in der Luft, Einladungen wurden ignoriert oder zumindest gab es Bemühen, sich beim ersten Mal noch nachträglich zu entschuldigen. Ich lernte, dass auch in der DBU mittlerweile Einiges geht, sei es in der Sektion Schleswig-Holstein oder in Sachsen oder auch in Brandenburg, auch lernte ich den ein oder anderen DBUler aus NRW kennen, der das Gehabe des eigenen Vereins zum kotzen fand. Und doch ist dieser Verein (zumindest in NRW) immer noch derselbe verstaubte Laden, in dem sich erarbeitete Positionen soweit festsetzen, das der Mief und Filz schon so weit zur Kunst mutiert ist, das Beuys seine wahre Freude gehabt hätte. Und das Schlimme ist, dass sich eben jene Herren dann auch noch wundern, wenn ihr Aktionismus verpufft, weil sie sich selber nicht bewegen wollen.
Ich arbeite nun seit fast sechs Monaten mit vorher wildfremden Gleichgesinnten zusammen, wir tauschen uns aus, sind aktiv und kollegial, wir freuen uns auf jedes Treffen. Alles Dinge, die ich jahrelang gesucht habe, und das alles “von quasi umme ecke”, wie wir im Pott sagen. Was daraus am Ende des Tages wird? Wir haben keine Ahnung, aber wir wollen unsere Leidenschaft auf andere Leute hier im Westen transportieren, möchten andere Denkweisen kennenlernen. Barkultur ist etwas Lebendes, etwas, was sich ständig weiterentwickelt. Ich will keine Gegenorganisation schaffen, obwohl mir der Gedanke mehr als einmal gekommen ist. Warum auch, die definierten Vereinsziele der DBU decken sich ja durchaus mit den meinen, nur habe ich keine Lust, mich um der DBU willen Mitglied zu nennen und mich darauf auszuruhen.
Ich habe im Moment alles, was mein Herz begehrt. Ich arbeite für und mit Gästen und Kollegen, wir sind international (danke an Peter dafür
) und offen für jede neue und alte Person, die mit uns nach vorne schauen mag.
Um es kurz zu sagen: Ich werde niemals Fan der DBU werden!





Mai 25th, 2009 at 23:42
Leider kennen wir uns nicht,
jedoch würde ich dich gerne zu unserem Sektionsmeeting am 08.06 ab 13:30h in Maritim Köln Einladen, wir werden Tequila Tasteting durchführen.
Vielleicht können wir dir ja zeigen das wir kein eingestaubter Verein sind.
Kannst ja gerne mit Daniel ( ich glaube ihr kennt euch ) unserem Jugendreferent kommen.
http://www.facebook.com/event.php?eid=83723285884&ref=ts
Grüße aus Köln
Hamudi
Mai 26th, 2009 at 00:39
jetzt brauch ich ne Zigarette…
Wenn ein Taubenzüchter Tauben züchtet, und keine Lust hat, sich sein Wissen dafür, oder die Bekanntheit um sich und seine stolzen Täubchen selbst zu erarbeiten, dann hat er immer die Wahl in einen Verein von Gleichgesinnten einzutreten; und alles “kann!” auf einmal ganz einfach sein.
Aber in jedem Verein gibt es die üblichen evolutionären Rollenverteilungen, wie den Kaspar, den Streber, die Clique, die Lästerer, die Kreativen, die Aussenseiter, die Freidenker, die Nachläufer und die verlorenen Schafe, die eigentlich ohne dieses Vereinsgetue viel cooler wären.
Prinzipiell geht es aber um das Gemeinschaftsgefüge rund um das eigentliche Thema, z.B. Tauben, auch wenn ein alteingesessener Verein oftmals die Grundthematik als Wimpel auf dem Tisch stellt, aber die Gespräche sich nur um das Hinterteil der Vereinskellnerin und ähnlich hochtrabende Themen drehen, wie wessen Täubchen wieder auf welchem Titelblatt abgebildet waren, was dann eh wieder mal die des gleichen Besitzers waren. Dabei hat jeder Verein mal mit einem Ideal, einer Gesinnung den Aufwand zur Gründung auf sich genommen.
So, wie Du, lieber mr. drinkmix, liebevoll über diese kleine Gruppe von Gleichgesinnten schreibst, die zu klein für egomanische Hirarchiestrukturen, Neid, Missgunst, Cliquengefüge, Politisierung und den Verlust des Themas ist, wird die DBU auch vor 100 Jahren mal da gesessen haben, und hat es geschafft, ohne Internet ihren starken Willen gemeinsam in Richtung Berufsfachverband zu ballen, sich zur IBA einzugliedern und dem gelernten Gastronom – Bar”keeper” in damalig sehr harten Zeiten ein Gruppengefühl, internationales Wissen und Kontakte zu vermitteln, wodurch er gestärkten Selbstbewusstseins dem Gaste dienen konnte, ohne nur ein Diener zu sein.
Heute sind die Zeiten ganz andere, viele “Mixologen” haben ein solch gesundes Selbstbewusstsein, dass sie auch auf Gäste verzichten könnten und am liebsten auf allen Titelseiten stehen möchten, um irgendwann eine 500.000 € Bar zu eröffnen. Auch für diese Gruppe ist das Vereinsleben wichtig, denn gemeinsam sind wir stark. Das ist zum Glück der kleinste Teil eines Vereins, aber der lauteste, der das Bild des heutigen Vereins in die Welt prägt.
Wettbewerbe und Titelseiten sind nicht alles, aber so ist das in einem elitären Gefüge.
Man sollte also stets die allgemeine Struktur eines Vereins bedenken und sich über seinen Ruf informieren, bevor man anstrebt ihm beizutreten.
Satzung ist Satzung, und wer das rebellisch untergraben möchte, und sich danach noch öffentlich dagegen erhebt, der sollte definitiv kein Fan dieses Vereins werden, sondern seinen eigenen Weg zum Besten führen.
Das Umfeld von Gleichgesinnten, Ideengebern, Zuhöreren, Kritikern und Freunden muss man nicht immer in einem Verein suchen, auch wenns manchmal einfacher ist.
Mai 27th, 2009 at 14:00
@Daniel Witti: Ich stimme Dir zu, Satzung ist Satzung.
Daher scheint die wiederholte Ablehnung der Aufnahmebemühungen des Herrn Drinkmix auch nur konsequent.
Ich stimme Dir weiterhin zu, dass man auf Facebook kein Fan der DBU werden sollte, wenn man damit unzufrieden oder der Meinung ist, dass innerhalb der DBU “der Mief und Filz schon so weit zur Kunst mutiert ist, das Beuys seine wahre Freude gehabt hätte”.
Nun wurde aber Drinkmix von (jemanden aus) der DBU eingeladen, ein Fan derselbigen zu werden.
Da kann ich nur sagen: Liebe DBU, sei doch bitte so konsequent und lade einen Menschen, dessen Aufnahmeersuchen und Gesprächsangebote Du kontinuierlich ablehnst oder gar ignorierst, gar nicht erst ein. Und vielleicht solltest Du vor der Anfrag nachfragen, ob der Einzuladende den Beruf auch gelernt hat…
Mai 27th, 2009 at 17:05
Hallo Oliver,
der Herr Drinkmix gibt Dir recht.
Und noch ein Kommentar an die Herren, die mich von der DBU nun einladen wollen zu den Meetings:
Ich komme gerne zu den Meetings, wenn…
…Kontakt direkt mit mir aufgenommen wird, mit direkt meine ich telefonisch oder persönlich (Rufnummer: 0177-5477158).
…sie sich mit meinem “normalen” Job nicht überschneiden (Ich arbeite meist bis ca 18 Uhr, jeden Tag).
Mai 31st, 2009 at 23:11
Gehst halt mal ein bissl früher und fährst mit mir nach Köln