Energy-Drinks – Ansichten eine Tagebuchschreibers
Fr, Apr 23, 2010
Autor Daniel Biernatowski:
Dieses Thema mag für viele gehobene Bartender ein unzumutbares und unantastbares Schockwort sein. Die Reaktionen auf die Anfrage von Gastseite, ob man auch was anderes als Vodka – E bekommen könnte, und dennoch sich des belebenden Fillers im köstlichen Cocktail berauschen dürfte, wird leider viel zu häufig aus emotionaler Schockreaktion des Bartenders abgeblockt und der Gast hat sich gefälligst etwas anspruchsvolleres auszuwählen.
Wer jedoch als Club-, oder Barbesitzer, Bartender, Caterer oder was auch immer für einen getränkeorienterten Point Of Sale besitzt oder führt, und sich nur ein wenig für seine wirtschaftliche Umwelt interessiert, der sollte die Bewegungen in der Gesellschaft in den letzten 20 Jahren zur Kenntnis genommen haben…
Energy Drinks und auch Functional Drinks bieten im Gegensatz zu Wasser und Fruchtsäften, eine auf die Biologie und Chemie des menschlichen Körpers abgestimmte Wirkung.
Ähnlich wie die mittelalterlichen Hexenküchen zu jedem Wehwehchen und Leiden das passende Kraut oder Kräuterelixier fanden, so hat man sich zeitgemäß in diesem Gebiet weiterentwickelt.
Jedoch sind die Hersteller keine wohltätigen Druiden, sondern obliegen den Zwängen der Wirtschaftswelt. Daher ein kleiner Sicherheitshinweis, denn Energydrinks sind meistens nicht nur mehr Schein als Sein, sondern die Hersteller leben sich in vielen Fällen auf ihrem, für überwachende Ämter schwierigem Terrain, gerne zu ihrem Vorteil etwas ungeniert aus.
Leider gibt es Hexenverbrennung heutzutage nur in Form von Bürokratie.
Aber, der Markt verlangt nach Vielfalt. Das Thema Energy Drink wurde vor 20 Jahren aus dem kleinen Alpenland Österreich in die Welt gerufen, Es gab etwas neues, etwas berauschendes, am Rande der Legalität, etwas Inspirierendes – und das hatte natürlich auch seinen Preis.
Ich werde nie meine erste Dose vergessen: die schlanke und edle Dose, nachdem man gerade in der Autobild erste Prototypenphotos der neuartigen Karosserie der kommenden Audi A (wie Aluminium) -Reihe gesabbert hat.
Meine erste Dose Red Bull kostete 4 Mark 50, ein stolzer Preis für eine Dosenlimo. Aber das war mir egal, ich musste es ausprobieren. Etwas neues war in mir – und es erinnerte mich an — Gummibärchensaft!!!
Nun wurde dieser neue Drink soweit zu einem Trend aufgepuscht, aber er war einfach ein Luxuxartikel – gesunde Antwort vom kapitalistischem System – Konkurrenzprodukte machten den Massenmarkt möglich.
Im Sinne der entstehenden “zwei Klassen Gesellschaft” gab es nun also den Österreicher (mit deutscher legitimation auf Koffeiingehalt von nur einer, statt fünf Tassen Kaffe), und dutzende Sparprodukte mit den wildesten Namen und ekelerregenden 1,5 liter Plastik”folien”flaschen.
Man konnte beobachten, wie Flatrate-parties geboren wurden und Palettenweise (Europaletten!!)
dieser Billigenergys angeliefert wurden. Ich wunderte mich immer, dass es auf diesem neuen, scheinbar gesetzlosen Nahrungsmittelsektor, nicht die Pflicht eines “biohazard” labels gab, denn mit einem halbwegs gesunden Körperempfinden habe ich mich erfolgreich um die Aufnahme dieser Zaubertrunks herumwinden können. – ich war im Bio- und Chemieunterricht eigentlich recht aufmerksam.
Zwangsläufig wurde dem Ruf des Energy Drinks durch dieses Melken der Geldkuh übelst geschadet.
Ergo: Da die meisten selbsternannten “gehobenen” Bartender Ihre Jugend höchstwahrscheinlich auf eben diesen Flatrate-parties der späten neunziger und frühen 00er Jahre verbrachten, also die ursprüngliche Wertigkeit des eigentlichen Produktes nicht ohne eigenes Empfinden beurteilen können, kann man Ihnen rein theoretisch keinen Vorwurf machen, wenn Sie bei der bloßen Erwähnung dieses Getränkesegmentes einen Würgreiz bekommen. Praktisch sollten Sie aber fairnesshalber dem Gast die Freundlichkeit erweisen, ihn vielleicht vor der Türe durch eine Tafel auf ihre unachtsamen Jugendsünden hinzuweisen und somit Blöße zu zeigen, und nicht dem Gast die Schuld dafür zu geben, dass er noch in der Lage ist, den Geschmack und die Wirkung eines Energy Drinks zu genießen!
In den letzten Jahren hat sich der Markt wieder ruhiger und unauffälliger weiterentwickelt. Es gibt anspruchsvolle Kontrollen der Lebensmittelbehörden, und die Biologen und Chemiker achten bei der Rezeptentwicklung mehr auf ihren Ruf bezüglich Korruption und Ethik.
Die Wissenschaft hat den “Funktional Drink” entstehen lassen. Und eben dieser Name ermöglicht es dem Getränkeverkäufer sein Segment so zu gestalten, dass er selbst bestimmen kann, welches Klientel er vorwiegend bedienen möchte. Es fängt im Kiosk um die Ecke an, hat der Besitzer nur hochwertige Funktionals und Energy Drinks im Angebot, merkt man als (für Kioskansprüche -) hochwertiger Kunde, dass keine Aggrokids, oder verstrahlte Ohrstecker mit menschlicher Biomasse dran vor oder hinter einem in der Reihe stehen. Bietet dieser Kioskbesitzer obendrein keine Yellow-press Tageslektüre und nicht das halb – liter Pils für 19 cent, sondern namhafte Brauereien, so stehen in dieser Schlange auch keine Kunden, die weniger als zehn Zähne im Mund haben.
Was ich mit dem Kioskbesitzer meine, ist, dass der Gesamtauftritt zählt, um sich an das Thema Energy-Cocktails heranzuwagen. Lasst den Party-peoples ihren Vodka – E, wenn sie Ihn brauchen, oder nicht anders beraten werden.
Aufgrund der aktuellen Empfindungen zu diesem Thema, war es mir leider nicht möglich, einfach nur sechs Rezepte in diesen Artikel zu setzen, sondern ich hatte das Bedürfnis ein wenig Klärung und Geschichte auf den Bildschirm zu legen.
Hätte ich einfach nur sechs Rezepturen hingeschrieben, hätte es wiedereinmal eine unschöne und oberflächliche Diskussion gegeben, deren Art mich und andere mittlierweile anödet.
Also, ein Energy Drink ist zweifelsfrei nicht geschäftsschädigend, sondern, wenn man sich im Markt ein wenig nach dem zum Ambiente und zum Klientel des Ladens passenden “Functional Drink” umschaut, eröffnen sich ganz neue Wege der Getränkezubereitung.
Es ist einfach an der Zeit sich nach morgen zu bewegen, denn allzulange wird die Welle der Jerry Thomas Historie nicht genügend Umsatz für alle gehobenen Cocktailbar-Konzepte abwerfen. Sie sollte niemals von den Karten verschwinden, aber sie gehört nun mal der staubigen Vergangenheit an, ihre Wurzeln sind heute noch da, aber der Gast will die Früchte nachen, und nicht die Wurzelsäfte konsumieren.
So denn, nach dieser “kleinen” Einleitung zum Thema Cocktails mit Energy Drinks, kann ich es endlich wagen, einige Anwendungsbeispiele preiszugeben:
Solange ich an Bars arbeite, hatte ich stets ein bis zwei Cocktails mit Energy in den Karten stehen, die sich mit den Umsätzen von Caipis und Piñas auf eine Welle hochsurften, halt eine Sache der Empfehlung.
Selbstverständlich gehört auch etwas Mut und Kreativität dazu, die stets markanten Charaktere ebendieser Drinks in Cocktails einzubinden, bzw. passende geschmackliche Begleiter zu finden.
Derjenige, welcher nur einmal versucht hat einen schmackhaften Cocktail mit einem Islay Whisky ohne Rezeptbuch zu kreieren, weiß was das bedeutet. Viele Zutaten miteinander vergleichen, mischen, probieren, ausspucken. Neutrale Gäste oder Freunde in die Verkostung mit einbinden, da einem im Alleingang bereits nach einigen Mixturen die Geschmacksknospen verdörren.
Gerade vor zwei Wochen habe ich mit Grischa Willrich eine Cocktailkarte mit einem Premium Energy Drink entworfen. Wir haben für sechs Drinks ca. vierzig Schnäpse, Sirupe und Säfte eingebunden und haben, abgerechnet der Grillpause, ca. 12 Stunden dazu benötigt. Aber das Resultat ist köstlich und äußerst innovativ.
Zu den Rezepten darf ich aber vor der Veröffentlichung auf der FIZZZ Barzone noch nicht weiter eingehen. Auf jeden Fall werden die Cocktails gut zum erwarteten Sommer passen und auch Genießer angenehm erfrischen können.
Wir haben zwei Paletten dieses Energizesers in uns aufgenommen, und sind uns immer noch einig – es gibt Energy Drinks, die lecker sind, die wertig und anspruchsvoll sind, und die gut mischbar sind.
Einige kleine Tips gebe ich aber gerne, um Euch einige Versuchsfehlschläge zu ersparen:
- Gin, auch infused
- Vodka, auch infused
- Aperol, Campari
- Bourbon Whiskey
- Likör 43
- Galliano
- klare Säfte und Nektare
- fruchtige Sirupe
- Zitrusfrüchte
- Kräuter
- Beeren
Auf keinen Fall (mein persönliches Empfinden):
- Kaffeliköre
- Amaros
- Tequila
- Brandy
- billige Säfte
Alles eine Frage des Geschmacks
Mit besten Grüßen
Daniel Biernatowski
Barmeister IHK
Tags: brandy, diskussion, energy, functional, Gin, vodka





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