A A
RSS

“So schmeckt kein Zombie!”

Mi, Jun 23, 2010

Gastronomie

Sicherlich kennt jeder Bartender diese Aussage, zumindest mit einem variablen Cocktailnamen. Genau diese Aussage hörte ich am vergangenen Wochenende von zwei Damen von fast mittlerem Alter (Ende 20, Anfang 30). Ich versuchte nun zu ergründen, was genau ich den falsch gemacht habe, damit ich gemäß Kundenwunsch den richtigen “Zombie” mischen konnte. Um das Rezept, dass in dieser Diskothek gemischt wird, und die Damen bekommen haben auch einzuschätzen, seht ihr hier die Zutaten (danke an Andreas für die Korrektur):

Zombie

3cl Grenadine
3cl Limettensaft
6cl Orangensaft
2 cl Ananassaft
4 cl Havana 3yo
3 cl Myers Rum
2 cl weißer Rum
1 cl Old Pascas overproofed

Dieses Gespräch möchte ich kurz sinngemäß hier wieder geben:

Bartender(B): “Ok, euch schmeckt der Zombie nicht, könnt ihr mir bitte helfen, was genau euch daran nich schmeckt?”
Frau 1 (F1): “Der ist mir viel zu stark, und überhaupt nicht süß!”
Frau2 nickt zustimmend: “Und er ist ziemlich bitter!”
F1: “Außerdem sind 8€ verdammt teuer, da wollen wir schon was vernünftiges.”
B: “Klar habt ihr das recht auf etwas vernünftiges, also er sollte süßer sein, nicht so stark sein und er darf nicht bitter sein. Ist das so richtig?”
F1: ” Ja, bitte, im Extrablatt wo wir den immer trinken, kostet er sonst 3,50€.”
F2: “Der ist da wesentlich süßer.”
B: “Gerne, ich mach euch gerne einen neuen Drink, aber ihr wisst schon, das das dann eigentlich kein Zombie mehr ist, Zombies sind halt eigentlich relativ stark und den Rum sollte man schon schmecken.”
F2: “Da ist Rum drin? Ich mag gar keinen Rum…”
(…)

Ich habe beiden dann unterschiedliche Cocktails gemacht, F1 bekam einen Planters Punch (ohne Bitters) und die zweite bekam einen Planters Punch mit Havana 3yo und einem Schuß Apricot Brandy, damit waren beide dann glücklich. Beiden habe ich auf Ihrer Verzehrkarte dann noch eine Gutschrift gegeben (Planters Punch kostet dort halt nur 6€).

Die Fragezeichen auf meine Stirn könnt ihr nun vielleicht verstehen. Das Gespräch hat mich dann doch länger zum grübeln gebracht, und zwar im Zusammenhang mit diversen Posts auf diversen Kanälen von Marc Stein aus Dortmund. Marc hat den typischen Ruhrpott-Slang und bringt diesen auch an vielen Stellen an: Laut und ehrlich. Marc schrieb vor einiger Zeit, das Preisgestaltung vor allem hier im Ruhrgebiet ein sehr wichtiges Merkmal für Gäste ist und gerade im Zusammenhang mit meinem Erlebnis fiel mir dieser Kommentar, den ich gerade nicht finden kann, wieder ein. Preisgestaltung hin oder her, aber einen “Zombie” für 3,50€ anzubieten ist für mich Kundenverarschung. Weder bekommt man ein Getränk, das nur ansatzweise ein “zombie” in der ganzen variationsbreite darstellt, noch bekommt man die meist angestrebte Alkholmenge.

Sicherlich werden nun die Genießer aufschreien und den Zombie als einen Genuß vor dem Herrn anpreisen, aber die Masse der Gäste trinkt einen Zombie halt nicht aus Gründen des Genusses, auch wenn das traurig ist.

Doch zurück zum Thema: Ich schaue aktuell überall in diversen Ketten auf die Cocktailkarte speziell nach dem Zombie und ich bekomme immer wieder einen Schreck. Rekord bisher: Zombie Happy-Hour-Preis 2,50€ (gesehen im Extrablatt Bochum).

Tags: , , ,

2 Comments For This Post

  1. Petskiek Says:

    Muha, 2,50 €…
    Das erinnert mich bissel an die Caipi und Cuba libre all you can drink aktion für 6,90 aus dem Frankys ;-)

  2. daniel witti Says:

    ich empfehle, das Barhandwerk in myhammer.de mit aufzunehmen und nur mit einem Ethanoltanklaster vorzufahren…
    This is the end of Barkultur??

Leave a Reply

© 2009 drinkblog

drinkblog by drinkmix.de