Die Ängste der Alten…
Mo, Jul 30, 2012

Bevor es zu Missverständnissen kommt: Ich habe meinen Zivildienst mit der Pflege von Senioren verbracht und komme in der Regel genau mit der älteren Bevölkerungsgruppe gut aus, ich beobachtete gerne Menschen und ich versuche die Gründe hinter deren Handeln zu verstehen. Genau darum wird es in diesem Artikel gehen.
Wenn man älter wird und vor allem wenn man die Lebensmitte überschritten hat, wird man in der Regel in seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, also seinen biologischen Funktionen, eingeschränkter als man zuvor war. Dieser Rückgang an Fähigkeiten führt bei vielen Senioren (und ich meine hier grundsätzlich nicht Pensionäre) dazu, an ihren verbliebenen Fähigkeiten und an ihrem gesellschaftlichen Status festzuhalten, gepaart mit der Angst noch weitere Fähigkeiten zu verlieren. Das ist ein ganz natürlicher Prozess.
Wenn man jung ist und die Lebensmitte noch vor einem liegt, ist man in der Regel voller Ideen, voller Elan vor allem wenn man einen kreativen Beruf wie den des Bartenders ausüben möchte. Man ist körperlich fit, schwingt den Shaker locker über die Schulter und kann Drinkanzahlen produzieren, die ganze Diskotheken glücklich machen.
Zwischen beiden Gruppen, den jüngen und den älteren Bartendern entsteht so zwangsläufig ein Spannungsfeld, quasi eine typisches Generationendünkel. In einem funktionierenden, sozialen Umfeld gehen beide Gruppen aufeinander zu und finden die guten Seiten der anderen Gruppe, um schließlich gemeinsam gestärkt nach vorne zu schreiten. Eine soziale, gesunde und funktionierende Berufsgruppe braucht zwingend beide Seiten, das zeigt uns gerade die europäische Geschichte, vor allem hier das funktionierende Gildenwesen aus dem die heutigen Handwerkskammern und Berufsverbände entstanden sind. Die Alten fördern und fordern und die Jungen bringen Elan und Ideen, keine Gruppe behindert die andere.
Die Gruppe der Älteren hat eben einen Erfahrungsschatz, den die jüngeren nicht haben können. Sicherlich muss jeder seine eigenen Fehler machen, aber der kreative und halbwegs helle Jüngere kann per Fragen des Älteren Fehler vermeiden. So brauchen beide Seiten sich gegenseitig und die Ängste der Alten werden massiv gemindert, weil sie ja gebraucht werden und sich trotz verminderter Fähigkeiten einbringen können, ohne schlechter dazustehen, soweit zur sozial funktionierenden Berufsgruppe.
Nach den beiden Artikeln zur DBU auf drinkmix und hier im Blog habe ich diverse Mails erhalten und auch berichte von DBU-Mitgliedern die eben auf eine nicht-funktionierende soziale Gruppe schließen lassen, sondern eher an das krampfhafte Festhalten von älteren Personen an ihre einmal erhaltenen Stati. Begründet ist dieses Festhalten letztenendes auf einer Angst, wie ich sie zu Anfang beschrieb. Es kommt noch hinzu, das der Status dieser ängstlichen Alten in der Regel auch noch ein recht hoher ist, nämlich der Vorsitz und das Umfeld des Vorsitzes von DBU-Sektionen. Ein ähnliches Verhalten zeigte auch das DBU-Mitglied, das Steffen Hubert von Mixology seinen Trinkgenuss verhagelte.
Ich versuche es mit Herdenverhalten aus der Tierwelt zu beschreiben: In einer Pferdeherde gibt es einen Leithengst, der eine kleine Gruppe von Beta-Hengsten um sich scharrt und so den Schutz der Gruppe organisiert, der Leithengst übernimmt die Verantwortung, die Beta-Hengste sind ausführende Organe. Jeder andere Hengst wird in der Gruppe nur geduldet, wenn er sich still verhält. Dieses Verhalten wird umso strenger, je eingeschränkter das Sichtfeld des Leithengstes ist, wie zum Beispiel durch Scheuklappen. Junge Hengste, die aufbegehren werden klein gehalten, Beta-Hengste die aufmucken werden degradiert. Erst wenn der Leithengst viel zu alt ist und seinen Zenit überschritten hat, wird er von einem jüngeren Leithengst durch Kampf abgelöst, die bisherigen Beta-Hengste werden degradiert und der ehemalige Leithengst meist aus der Herde ausgestoßen.
Nun sind wir keine Pferde, sondern Menschen, und doch ist das gerade beschriebene Herdenverhalten symptomatisch für drei DBU-Sektionen, wie mir beschrieben wurde. Herden jedoch entwickeln sich nicht weiter, sondern bleiben in der Kreativität beschränkt. Erst als der Mensch aus einer Herde eine soziale Gruppe gestaltete, entwickelte sich alles andere. Die einzige Möglichkeit, wie die jungen mit ihren Leithengsten umgehen können, ist, viele Gespräche zu führen und ihnen die Angst zu nehmen. Alle Mitglieder der DBU sind wichtig für die DBU…
Ich weiß, aus eigener Erfahrung, das es in NRW, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg nicht so ist, die Sektionen hier eben sozial-funktionierende Gruppen sind, aber was ist mit dem Rest?
Tags: Alten, DBU, DBU-Sektion, Jungen





Juli 30th, 2012 at 11:03
Guten Morgen,
nachdem ich nun mehrere Stellungnahmen und Artikel inklusive Beurteilung der DCM gelesen habe wollte ich mich mal dazu direkt zu Wort melden.
Natürlich fällt es den jüngeren Kollegen bestimmt leichter sich an neue Situationen zu gewöhnen oder eben auch neueres auszuprobieren. Ich bin zwar selbst erst, oder schon, 33, aber auch mir waren bei meinen ersten Stationen an der Bar, vor meinem Eintritt in die DBU, Begriffe wie Doublestrain, Hardshake oder auch ein Drink wie damals der Gin Basil Smash nicht geläufig. Ich kann da sicher nur für mich sprechen, da ich aus der gastronomischen Steppe komme, aber ohne meine Anbindung an die DBU in Baden-Württemberg wäre mein Wissen auf Pina Colada Niveau stehen geblieben.
Sicherlich gibt es in Deutschland Regionen oder besser Städte in denen die Barkultur gepflegt wird und sich die Barkeeper gegenseitig pushen können um weiter voran zu kommen. Durch diese Mixologen kann sich natürlich auch ein entsprechendes Publikum weiter herausbilden.
Nimmt man aber auch mal viele Arbeitsplätze, von Kollegen in der DBU, zum Beispiel dann sind beim dortigen Zielpublikum Drinks mit Gewürzen, Kräutern, Marmeladen oder ähnlichem nicht en vogue oder gar Bekannt. Woher soll dann dort das Wissen und der Einsatzgrund kommen. Daher verstehe ich auch den ein oder anderen Kollegen der nicht direkt seine Cocktailkarte umstellt um seine Gäste mit Ingwer Beer, Elderflower Tonic oder Ähnlichem zu begeistern wenn die Gefahr besteht dass kein Umsatz mehr zu erwarten ist.
Sehr große Parallelen gibt es leider in der Struktur der DBU. Dort wird auch gerne eher auf Bewährtes gesetzt um nicht Schiffbruch zu erleiden. Aber nun sollte es mit dem neu gewählten Präsidium Aufwärts und vor allem voran gehen. ich kenne es aus Baden-Württemberg nur so dass es keine Trennung zwischen Alt und Jung oder Modern oder Klassisch gibt. Wir sind stolz auf unsere “ÄLTEREN” Mitglieder die sich auf Veranstaltungen wie zB der Intergastra genauso den A… aufreissen wie die Jungen Leute und ich kann nur für mich sprechen das es immer toll ist von der Erfahrung der Altgedienten zu lernen. Wenn ich die Möglichkeit habe auf ein wandelndes Lexikon wie Erich Bauernfeind, jahrelanger Barchef in der Bühler Höhe, zu zugehen und dort meine Fragen zu klassischen Drinks loszuwerden ist das um ein vielfaches besser als sich im Internet durch irgendwelche Blogs zu wühlen.
Aber auch wenn man mit den verschiedenen Generationen an einem Strang zieht kann man viel erreichen. Das beste Beispiel hierfür ist die Intergastra bei der 35 Barkeeperinnen und Barkeeper an einem Strang ziehen und alles für ein gemeinsames Ziel: Spass an der Sache. Dort waren vom Pensionär bis hin zum Mixologen aus einer recht bekannten, dunklen Frankfurter Hotelbar gemeinsam im Einsatz für die DBU. Ich weiß das die DBU nicht überall so alt wie sie dargestellt wird. ich hoffe der neue Vorstand bekommt die Chance die er verdient hat um die Weg der DBU zukunftsweisend zu leiten und den Verein zu reformieren. Ich glaube das Ulf, Marcus und Walter das schaffen auch mit Hilfe der Alten
Juli 30th, 2012 at 11:04
Wie auch schon mal vorgetragen meine Anfrage in HH …. War leider sehr ernüchternd, deswegen freu ich mich drauf bald wieder in NRW zu sein.
Juli 30th, 2012 at 11:34
Danke Michael, für die offenen Worte. An einigen Stellen möchte ich gerne einhaken:
1) Wissenstransfer ist wichtig, in der breiten medialen Landschaft, die heute herrscht, ist es nicht mehr nur die ältere Generation, von der man Wissen erhält, das war auch schon in der Zeit so, als du angefangen hast: Bücher, Presse (Mixology, FiZZZ und Konsorten), Blogs sind ebenfalls profunde Quellen geworden, die aber nicht jeder nutzt, dazu sollte man für diese Quellen affin sein. Wenn Du den Weg zum Beispiel zu Herrn Bauernfeind gegangen bist, dann ist das genau die sozial gesunde Gruppe, von der ich schrieb. Aber diese sozial gesunden Gruppen sind in der Minderheit, so mein Gefühl!
2) Sicherlich gibt es positive Beispiele, aber alleine der Umstand der Anzahl der Mitglieder der DBU nicht mal die Hälfte der amtierenden Bartender widerspiegelt, ist ein absolutes Alarmzeichen.
3) Ich setzte alle meine Hoffnung in den neuen Vorstand, so wie ich die drei bisher kennenlernen durfte, ist diese Hoffnung auch berechtigt.
Juli 30th, 2012 at 11:34
Sei bitte nochmal ausführlich hier, nicht jeder verfolgt alle Facebook-Einträge
Juli 30th, 2012 at 14:04
Ich bin einer von den ALTEN “Hasen”. Ich habe aber, im Gegensatz zu manch anderen, kein Problem “loszulassen”. Ich bin seit 96 DBU – Vorsitzender in Thüringen und wollte schon vor 4 Jahren den Job an den Nagel hängen. Leider war weit und breit kein Nagel zur Verfügung. Jetzt ist aber ein Nagel, und ich denke ein guter, gefunden, an den ich nun Ende August meinen Job hänge.
Ich möchte meine Freude zum Ausdruck bringen, dass es sich wie ein roter Faden durch die Reihen der Barmixer zieht: Ihr habt Vertrauen in die neue DBU – Führung. Das ist wohl erst mal das Allerwichtigste. Ich teile dieses Vertrauen, denn ich bin sehr zuversichtlich, dass es nun “mittelfristig” Veränderungen gibt. Ich bin auch deshalb überzeugt, weil ich die drei Präsidenten gut zu kennen glaube und sie, falls sie einverstanden sind, meine Freunde nennen darf. Ich durfte mit ihnen in China Barmixer ausbilden. Das war für mich Ehre, Freude und Erfahrung zugleich.Kurz: ein unvergeßliches Erlebnis.Die angesprochene Ausgewogenheit zwischen der Tatkraft der Jungen und dem Erfahrungsschatz der Alten halte ich auch für sehr wichtig. In einer guten Dosierung können hier maßgebliche Erfolge erzielt werden. Ich arbeite seit 1991 in der Bildung und habe viel mit jungen Leuten zu tun. Es macht sehr viel Spaß und es hält auch jung. Diesen Job werde ich noch weiter machen, solange es auch der Jugend Spaß macht. Sollte ich dort irgendwann nicht mehr ankommen, habe ich kein Problem, mich mit einem Gin Tonic auf die Otomane zu legen. Sollte mein Rat in der DBU gefragt sein, werde ich jederzeit zur Verfügung stehen.
Juli 31st, 2012 at 21:01
Danke Frank-Johannes, ich finde Deine Einstellung toll und freue mich auch mit vernünftigen “alten Hasen” bei der DBU zu arbeiten.