Gerade noch berichtet über einen guten Cocktail-Wettbewerb, war es im letzten Jahr eine wahre Flut von Wettbewerben rund um das Thema Mischgetränk. Und in diesem Jahr sieht es eher so aus, als wenn es noch mehr Wettbewerbe werden. Dabei steht die Frage für mich im Raum, was diese Wettbewerbe bringen und wer daran teilnimmt. Als Blogger und freier Journalist werde ich ja zu dem ein oder anderen Wettbewerb eingeladen und erfahre aus der Industrie den ein oder anderen Hintergrund.
So war es im letzten Jahr, gerade gegen Ende des Jahres, wo eine gewisse Wettbewerbsmüdigkeit in der Bartenderschaft herrschte und dazu führte, das zwei Wettbewerbe gar nicht erst in die Phase des Ausmixens ging, einfach weil sich zu wenige oder gar keine Teilnehmer gemeldet hatten. Dabei werde ich diese beiden Marken bewusst nicht nennen. Ich habe mich umgehört unter Kollegen, die gerne einmal an einem Wettbewerb teilnehmen, denn letztenendes sind es immer dieselben Gesichter, die man auf Wettbewerben sieht, diese haben überhaupt nicht wahrgenommen, das diese beiden Marken einen Wettbewerb gestartet hatten.
Nun kommt noch ein markenübergreifender Wettbewerb über Mixology dazu und da stelle ich mir die Frage, inwieweit diese Wettbewerbe am Ende des Jahres dann überhaupt noch greifen sollen. Denn aus meiner Sicht sind die Bartender nicht satt, sondern schlicht überfordert: Hier ein Video drehen, dort eine Promotion planen, oder nur eine kleine Geschichte erzählen… Liebe Industrie: Bartender sind keine Regisseure, sind keine Texter und sind auch keine professionellen Präsentatoren, sobald sie vor das Brett treten! Das alles kostet richtig viel Zeit, neben der Zeit, die man hinter der Theke verbringt.
Für mich heißt das, dass solche Events eben nur selten neue Gesichter zutage fördert (Ausnahmen bestätigen das nur deutlich) sondern immer nur die gleichen Gesichter des Wettbewerbs-Zirkus zu sehen sind. Die kleinen Wettbewerbe werden aufgrund ihrer Struktur und Gewinnmöglichkeit nicht umschwirrt von diesen Menschen, sondern sollten sich dringend überlegen, wie man die zweite und dritte Reihe von frischen Gesichtern rekrutiert. Ansätze waren im letzten Jahr schon zu sehen, Junior Cups, oder zusammenarbeiten von Alt und Jung, oder schlicht die großen Wettbewerbe, die es durch feine aber aufwendige Selektion schaffen eine gute Mischung von Teilnehmern herbeizuführen.
Wir benötigen in dieser Branche gerade in diesem Bereich Wachstum und Entwicklung, da sich die Industrie die bekannten Gesichter eingeschossen hat und diese werbewirksam nutzt, sollte sie sich auch darum kümmern, zu fördern und zu fordern.
Der Begriff wurde vor kurzem vom geschätzten Kollegen Helmut Adam bemüht und analysiert. Und schließlich durch die kleine Kommentardebatte zwischen Herrn Meyer und Herrn Adam rund gemacht. Ich plage mich nun seit Wochen, in diese Debatte einzusteigen, erachte es aber als unnötig. Viel lieber möchte ich das Wort Community unter den Aspekt stellen, was ich in den vergangenen Wochen in Deutschland dazu selber erfahren durfte.
Es gab und gibt das Zusammenspiel zwischen Metaxa als Partner und dem Barzirkel Ruhrgebiet. Der Barzirkel hatte in den monatlichen Treffen, die nach wie vor stattfinden und auch immer noch stetigen Zuwachs haben, des Sommers 2012 sich selbst die Frage gestellt: Quo vadis? Wo geht die Reise hin, was machen wir überhaupt? Die Darstellung von Helmut war genau bis zu diesem Punkt richtig: Wenn nicht ein kleiner Personenkreis sich monatlich die Mühe gemacht hätte, wäre der Barzirkel nicht mehr existent. Im Sommer vergangenen jahres hatte ich dann persönlich genug, immer nur dem Barzirkel zu geben und habe im vertrauten “Gründerkreis” gefragt, ob und wie wir den Barzirkel breiter aufstellen. Wir beschlossen, weiterhin offen für neue Mitglieder zu sein. Wir wollen weiterhin die Industrie als Partner in unserer Mitte. Wir wollen auch die Nerds, die es neben den Bartendern auch noch gibt und in ihrem Meinungsbild oft leider unterschätzt werden. Und wir wollen keine Kommerzialisierung. Und genau hier besteht oft die Krux mit der Industrie. Wie geht man mit einer Marke um? Heißt eine Veranstaltung der Marke X, das man die Marke Y verteufeln muss, oder unter den Tisch kehren? Wir finden: Mitnichten!
Wir haben mehrere Programme beschlossen, von denen ich zwei nennen möchte: “Mischen im Pott” und “VON Barzirkel FÜR Barzirkel”.
“Mischen im Pott” soll die lokale Szene stärken und breiter aufstellen, Bartender aus unserer Mitte bieten Gastronomen aus dem Ruhrgebiet, die sich mit dem Thema Cocktail näher auseinander setzen wollen, die Möglichkeit einer Non-Profit-Zusammenarbeit Denn wir haben in den 5 Jahren unserer Existenz gelernt, das es an vielen Stellen Cocktails gibt, aber das Wissen im Mainstream eher minimal ist, teilweise weiß noch nicht einmal ob der Existenz von Mixology, Fizzz und Co. Fördern und Fordern ist hier das Thema.
“VON Barzirkel FÜR Barzirkel” ist eine Reihe, wo wir einen Industriepartner suchen, der mit uns eine Reise durch die Communities macht, dabei ist die Themenwahl auf den Sponsor angepasst. Aber andere Marken werden genau so offen genannt und mit ins Boot geholt, dabei ist die Grenze der Toleranz leider sehr dünn, aber wir haben es immerhin mit Metaxa zusammen geschafft. Die Themen dieser Reihe waren einem Oberthema angepasst: Wie entwickele ich einen Drink? Hier wurde auf das Zusammenspiel von Süße und Säure eingegangen, praktische Tipps rund um Essig ausgetauscht, über den Granatapfel geredet und schließlich das Mundgefühl und sein Gewicht beim Wohlgeschmack näher beleuchtet. Dabei war ich dabei, wie sich neue Communities gebildet haben, teilweise aus der Asche von alten Communities.
Für die nächste Tour suchen wir nun erneut einen Industriepartner, der offen ist auch die anderen Player zu akzeptieren.
Der Barzirkel hat sich nun zum Ziel gesetzt, das aus den eigenen Reihen jeweils monatlich ein Thema im Umkreis der Bar beleuchtet wird, dabei ist es unerheblich, ob der Vortragende Bartender, Connaisseur oder Vertreter der Industrie ist. Nächsten Monat hören wir zum Beispiel einen Vortrag zum Thema: Vergessene Spirituosen. Ich freu mich riesig drauf.
Nach fast fünf Jahren haben wir es endlich geschafft, das über ein Logo des Barzirkels bestimmt wird. Aber es hat halt gedauert, Basisdemokratie dauert immer, zwar werde ich von vielen aus diesem Zirkel als Leitfigur wahrgenommen, aber ich sehe mich eher als Moderator, nur so kann es aus meiner Warte funktionieren.
Die frischen Communities, die sich vor kurzem in Dresden, Berlin und Stuttgart bildeten, haben einen langen Weg vor sich. Rostock entwickelt sich prächtig, Leipzig ebenso. Düsseldorf krankt aktuell ein wenig. Der Barzirkel Ruhrgebiet hat für JEDE deutschsprachige Community kostenfrei ein Forum außerhalb des Marketing-Tools Facebook zur Verfügung gestellt, hier kann man sich in der eigenen Community austauschen, aber auch andere Communities ansprechen. Aber dies Werkzeug ist nur so aktiv wie die eigenen Mitglieder.
Community braucht Figuren nach denen sie sich orientiert, das ist mit Sicherheit immer noch Herr Meyer, das ist auch Helmut Adam, auch Mike Meinke (A propos: Wann bewegt sich deine Reihe denn mal gen Ruhrgebiet, oder zumindest mal häufiger aus deinem Kiez heraus?) ist eine solche Figur, aber ebenso all die Markenbotschafter dort draußen und viele weitere Persönlichkeiten. Die Community ist da und sie lebt, sie muss sich dessen nur bewusst werden: Der Schritt aus dem Kindergarten der Kleinkriege voller Neid und Missgunst ist sicherlich nicht einfach, der Wind draußen ist auch mitunter rauh, aber er ist es wert!
Zunächst einmal: Ja, Bacardi hat mich eingeladen, es war ein verdammt gute Zeit in Groß Schwansee (bei Lübeck) mit Bacardi, aber das ist nicht der Grund darüber zu schreiben, man hat mir volle Transparenz in alle Prozesse des Wettbewerbs gewährt, jede Frage wurde kompromisslos beantwortet. Etwas, was aus meiner Sicht leider nicht allzu häufig passiert. Ich durfte an den Trainings teilnehmen und ich glaube, ich hätte auch den Speed Contest mitmachen dürfen (was ich aber nicht wollte). Kurzum: Ich schreibe ohne Verpflichtung und gerne über diesen Wettbewerb.
Im Februar kam es zum Showdown für die Teilnehmer des alljährlichen Bacardi-Cocktail-Wettbewerbs: Bacardi Legacy. Dabei geht es um die Schaffung einer Legende, eines Drinks, der würdig ist, in die Fußstapfen von Daiquiri, Cuba Libre und Pina Colada zu treten. 15 Teilnehmer aus Deutschland und 5 aus Österreich traten jeweils für den nationalen Titel an, um sich für den internationalen Titel zu qualifizieren. Dieser findet auf Puerto Rico Ende April statt.
Der Wettbewerb fand an zwei Tagen statt, der erste Tag ging um den Bereich des Fokusses und endete mit einem Speed Contest, der erstmals keinen Einfluss auf die Bewertung des Titels einging. Die vorher stattgefundenen Schulungen bereitetenden den Weg hin zum zweiten Tag: Geschichte der Cantineros (Jörg Meyer), Rezepturen der Legacy-Drinks (David Cordoba), Geschichte des Alkohols (Dr. Bretschneider), Being Well (Iain Bell) und Flavour Bouncing (Alex Kratena). Am Abschluß stand ein Treffen mit dem Master Blender Bacardis: Senior Gavito. Schließlich ging es nach einem opulenten Mahl darum, Drinks schnell und mit Freude zu mixen. Gewinner in den frühen Morgenstunden war Maxim Kilian aus dem The Parlour in Frankfurt.
Der zweite Tag begann mit ein wenig Zerstreuung und frisch gestärkt nach einem Mahl ging es dann ans Eigemachte: Die Präsentation und das Vormixen vor der international und national besetzten Jury: Iain Bell, David Cordoba, Senior Gavito, Mario Grünenfelder, Dr. Bretschneider, Jörg Meyer, Erich Wassicek und Gerhard Kozbach. Ich möchte es an der Stelle kurz und nicht persönlich machen: Die Präsentationen der Kollegen aus Österreich waren allesamt deutlich besser als die Präsentationen der deutschen Teilnehmer, mit einer einzigen Ausnahme, dem deutschen Sieger. Denn hier genau krante es bei vielen deutschen Teilnehmern, an der Präsentation und der Promotion-Phase ihrer Drinks. Jeder Teilnehmer hatte 15 Minuten Zeit und anstatt den Mut zu besitzen, die Präsentation auch vorzeitig zu beenden, nutzen über 80% der Redner die volle Zeit, verhaspelten sich am Ende, wirkten dadurch unsicher. Sich selber zu präsentieren ist lernbar, aber hier lag die Krux vieler deutscher Teilnehmer, die sich hinterher sogar unfair bewertet fühlten.
Liebe Teilnehmer dieses Jahrgangs: Die Jury hat einen richtig guten Job gemacht und hat mit den Ergebnisse klar und transparent Schwächen und Stärken eines jeden Teilnehmers aufgezeigt! Es liegt nun an euch, die Stärken auszubauen und die Schwächen auszumerzen, wer das nicht tut: Selbst Schuld!
Die Gewinner sind Mario Hofferer für Österreich und Dennis Wolf für Deutschland.
Abschließend noch sei erwähnt, das die finale deutsche Entscheidung so denkbar knapp war, das der deutsche Zweitplatzierte als Belohnung auch mit nach Puerto Rico darf, zwar nicht am Battle teilnimmt, aber dort eine wunderschöne Zeit verbringen wird. Mohammad Nazzal wird sich die Sonne bei ein paar Cuba Libres einprägen….
Hier übrigens noch ein Mood-Video dieser beiden Tage
Lange habe ich darüber nachgedacht, das Forum des Barzirkel Ruhrgebiets für alle anderen Barzirkel zu öffnen. Damit möchte ich noch im alten Jahr beginnen.
Mit ist allerdings wichtig, noch einmal zu betonen, das dies Forum kein Wettbewerb zur DBU darstellt, sondern die lokalen Netzwerke miteinander verbinden soll.
Wenn weitere Barzirkel Interesse an diesem Forum haben, mögen Sie sich kurz bei mir per Email melden. Barzirkel-Mitglieder können sich anmelden und werden nach Bestätigung des entsprechenden Barzirkels auch freigeschaltet.
www.barzirkel-forum.de
Hier nun also ein Bericht aus meinen ersten Erfahrungen mit dem Inneren der DBU. Ich mag halt nicht hinter dem Berg halten und prangere Dinge gerne direkt an, auch wenn sie dadurch auf argen Unbill stoßen.
Ich hatte vor einiger eit über die “Deutsche Meisterschaft” in Leipig und die entsandten Rezepturen berichtet. Ich hatte damals nach diesem Bericht überwiegend positive Rückmeldungen aber auch ein paar kritische Stimmen, einige dieser Kritiker waren sehr konstruktiv (ich möchte mich hier besonders bei Ulf Neuhaus und auch bei Kent Steinbach bedanken, unser Gespräch während des Hubertus Rat fand ich sehr öffnend), andere Kritiker haben sich hinten herum über meine Offenheit beschwert und öffentlich aber lieber den Kopf in den Sand gesteckt. Ich hatte die Sektionsleiter der Sektionen, deren Rezepturen mir bei den Sektionen nicht zeitgemäß vorkamen, angeschrieben. Hier nun namentlich und die Ergebnisse:
- Steffen Pörschman (Sektion Mecklenburg-Vorpommern) hat den Fragekatalog nicht beantwortet.
- Guido Fanslau (Sektion Berlin-Brandenburg) hat den Fragekatalog nicht beantwortet.
- Der alte Sektionsvorstand der Sektion Niedersachsen hat nicht geantwortet, kurz danach gab es Vorstandswahlen, der alte Vorstand ist abgelöst.
- Sektion Hamburg/Schleswig-Holstein/Bremen hat nicht geantwortet.
Der Fragekatalog:
- Besteht in Ihrer Sektion Schulungsbedarf was aktuelle Techniken und Rezepturen angeht? (Nicht an alle: Können wir aus NRW helfen?)
- Wird in Ihrer Sektion vorwiegend süß konsumiert? Haben Sie diesbezüglich mal eine Erhebung unter den Mitgliedern durchgeführt?
Ich finde nicht, das die Fragen nicht konstruktiv sind, oder aber weit weg von den Rezepturen sind, aber keine Antwort ist aus kommunikations-psychologischer Sicht auch eine Antwort: Man ist nicht offen für Kritik und Hilfe braucht man in diesen Sektionen wohl auch nicht.
Meine Meinung dazu: Gute Nacht, John-Boy! In diesen Sektionen mangelt es genau an der Offenheit, die Barzirkel und Medien fordern, seltsamerweise ist genau in diesen Sektionen, mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern, die Mitglieder-Auswahl nicht übereinstimmend mit den örtlich vorhandenen guten Bars… Ob hier ein Zusammenhang besteht?
Im letzten Post hatte ich dazu aufgerufen, dass man mir bitte die Rezepte der verschiedensten Wettbewerbe zusendet, gerne auch aus verschiedenen Jahrgängen. Bis auf Diageo, die sehr flink reagiert haben und eine private Einsendung ist nichts geschehen.
Ist es der Industrie und auch den Teilnehmern so egal, was mit euren Kreationen passiert?
- Aufruf an Industrie und DBU: Schickt mir die Cocktailrezepte der letzten Jahre Sa, Nov 10, 2012
- 0 Comments
- Kultur und Kommerz Do, Sep 20, 2012
- 3 Comments
- Wenn Köche Drinks mixen… Fr, Aug 31, 2012
- 4 Comments
- Cocktailwettbewerb: Es lässt mich nicht los Sa, Aug 25, 2012
- 2 Comments
- Mixology Bar Awards 2013: Nominierte der Long List in der Kategorie „Newcomer des Jahres“ Di, Aug 21, 2012
- 5 Comments
Sa, Mrz 30, 2013
2 Comments